Schleswig-Holsteins Gemüse-Großhändler

Der Winter steht vor der Tür, man hört schon das leidvolle Klagen: Jetzt gibt’s nur noch dieses langweilige Wintergemüse Kohl, Kürbis und Karotten. Wie gut haben es die da am Mittelmeer. Das ganze Jahr über eine Vielfalt aromatischer Gemüsesorten!

Bevor wir uns neidvoller Schwelgerei hingeben, wollen wir überlegen. Wer will schon Monat für Monat seinen Appetit mit Tomaten-Sugo, Auberginen und Zucchini oder mediterranen Salaten stillen. Vermutlich wird auch dies bald langweilig – spätestens dann, wenn die Kinder am Esstisch nörgeln. Langsam dürften dann Visionen nach Sauerkraut, Grünkohl oder Wintergemüse-Eintopf aufkeimen. Zumal auch die mediterranen Gemüse eigene Saisonzeiten haben, was man unschwer an den Preisentwicklungen feststellen kann.

Folgt man den Visionen von Wintergemüse und stellt darüber hinaus die Anforderung einer regionalen Produktion, wird schnell eine Klippe sichtbar: Schleswig-Holstein ist ein Gemüse-Entwicklungsland! Nur 7.650 Hektar werden in unserem Land von 431 Betrieben zur Produktion von 39 Gemüsesorten genutzt. Insgesamt wurden 2017 rund 310.000 Tonnen geerntet. Den größten Anteil hieran hat der Kopfkohlanbau auf 3.300 Hektar, es folgen Karotten/Möhren mit einer Anbaufläche von 1.000 Hektar und Spargel mit 500 Hektar. Erfreulicherweise ist der Anbau von Frischeerbsen auf 219 Hektar leicht gestiegen, während Grünkohl nur noch von 11 Betrieben mit einer Erntemenge von 330 Tonnen angebaut wird (Quelle: Statistikamt Nord). Da bleibt wenig Fläche für andere interessante Gemüse.

Schleswig-Holstein ist offensichtlich mit Gemüse aus dem eigenen Land unterversorgt. Wir sind an dieser Stelle auf Importware angewiesen – sei es aus Deutschland, Spanien oder den Niederlanden. Und da tauchen für den kritischen Konsumenten neue Klippen auf: lange Transportwege, Landschaftszerstörung durch bis an den Horizont reichende Foliendächer, Raubbau an den Grundwasservorräten oder unsägliche, von der organisierten Kriminalität beherrschte Leiharbeitersysteme.
Und da ist noch eine Klippe: Unter prekären Bedingungen produziertes Gemüse strömt zu Tiefstpreisen auf den Markt. Damit können die hiesigen Produzenten kaum konkurrieren, geben frustriert den Betrieb auf, und potenzielle Neueinsteiger scheuen letztlich das betriebliche Hochrisiko.

Dieses Dilemma können die einzelnen Verbraucherinnen und Verbraucher nicht allein lösen. Hier ist politisches Engagement gefordert. Agrar-Subventionen für klein- und mittelständische Anbaubetriebe mit Qualitätsanspruch müssen durch finanzielle Umschichtungen in dem entsprechenden EU-Fördertopf geschaffen und gesteigert werden. Das (!) wäre eine wirklich Profil bildende Initiative des Bundesministeriums für Freiwillige Vereinbarungen (BMFV, früher BMEL).

WOLFGANG GÖTZE, Politischer Sprecher des Vorstandes
FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein e. V.
politik@feinheimisch.de