Nicht nur für Journalisten: Kulinarische Zukunft in Schleswig-Holstein gestalten

Nicht nur für Journalisten: Hier die Presseinformation, wie sie zur Pressekonferenz anläßlich des 1. FEINHEIMISCH – Symposiums an die Medien verschickt und verteilt worden ist. Wir möchten sie allen zugänglich machen:

Oliver Firla
Die „regionale Kulinarik“ ist in vielen Köpfen und Bäuchen angekommen, Oliver Firla, der erste Vorsitzende von FEINHEIMISCH eröffnete das erste kulinarische Symposium in Schleswig-Holstein.

„Die „regionale Kulinarik“ ist in vielen Köpfen und Bäuchen angekommen. Doch mit dem Siegeszug in die Wahrnehmungswelt der Gesellschaft beobachten wir auch eine inflationäre Verwendung des Begriffs bis an die Grenze zur Unkenntlichkeit. An dieser Stelle wollen wir mit dem heutigen 1. FEINHEIMISCH-Symposium ansetzen“, sagte Oliver Firla, Vorsitzender von FEINHEIMISCH-Genuss aus Schleswig-Holstein e.V., heute (22.10.2018) anlässlich des Symposiums „Segel setzen – Kulinarische Zukunft in Schleswig-Holstein“ im Schloss Plön.

Gerade beim Thema „Lebensmittel“ zeige sich eine gewisse Abkehr von der Globalisierung hin zu einem Bewusstsein für die eigene, erfahrbare Lebensumwelt. Verbunden sei dies mit Vertrauen in Herkunft, transparente Produktion und ehrliche Aussagen. Dies bedeute: die zukünftige Arbeit des Vereins muss sich auf eine Aufwertung des Begriffs „Regional“ ausrichten. Attribute hierfür seien „Hohe Qualität“, „Ehrlichkeit“, „Transparente Kommunikation“ und „Authentizität“.

„Wir wollen es auch nicht bei einer engen Definition von „Kulinarik“ verharren. Denn, eine moderne Kulinarik darf nicht mit Hedonismus gleichgesetzt werden. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen deuten darauf hin, dass auch der Kopf und das Gewissen zu einem umfassenden Genuss führen. Eine modern verstandene Kulinarik erhält so zunehmend eine politische Dimension. Ich stehe einfach zufriedener vom Esstisch auf, wenn ich weiß

  • die Zutaten wurden schadstofffrei und nachhaltig produziert,
  • die Belange der Ökologie und des Tierwohls wurden berücksichtigt,
  • Ressourcen wurden geschont und
  • Sozialverträgliche Aspekte wurden in der Wertschöpfungskette eingehalten.

All dies muss in die Weiterentwicklung einer regionaltypischen Kulinarik einfließen“, betonte der Vorsitzende Oliver Firla.

Prof. Dr. Ines Heindl
Prof. Dr. Ines Heindl (Europa Universität Flensburg a.D.) stellt bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten zur Ernährung und zum Essverhalten eine immer tiefer reichende Verunsicherung fest: „Diese Verunsicherung erstreckt sich von der Produktion über die Lebensmittelwirtschaft, die Gastronomie bis hin zu den Konsumenten. Die Folge ist eine immer hektischer werdende Suche nach dem richtigen und wirtschaftlich Erfolg versprechenden Weg“.

Dies beinhalte auch die Gefahr eines weiteren Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft. Auf der einen Seite seien diejenigen, die unreflektiert Werbeversprechen, bezahlten „Influencern“ oder angeblichen Trends folgen. Auf der anderen Seite ständen diejenigen, die hyperkritisch die Entwicklungen auf dem Lebensmittelmarkt verfolgen, gleichzeitig skeptisch die Versprechungen des Marktes betrachten und deshalb eigene Erwartungen formulieren.

„Wir brauchen deshalb eine neue Qualität der Kommunikation auf und zwischen allen beteiligten Ebenen und gesellschaftlichen Akteuren. Diese Kommunikation sollte kritisch umgehen mit platten Werbeaussagen, agenturtypischer Marktforschung oder dogmatischer Philosophie ohne hinreichende, wissenschaftliche Grundlage. Unabdingbare Elemente einer zeitgerechten Kommunikation sind Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit, denn das Ziel ist die Wiederherstellung von Vertrauen in eine Nahrungsqualität, das in Zeiten eines globalen Lebensmittelüberangebots verloren gegangen ist. Hierzu müssen Allianzen geknüpft werden, die in gleicher Weise argumentieren und offensiv agieren.

Dazu braucht es ein Umdenken hinsichtlich der Botschaften durch Nahrung und Ernährung, denn „Essen ist Kommunikation“. Meister der Kommunikation entwickeln Fähigkeiten, die aktiv in den Betrieben gepflegt und nach Möglichkeit auch geschult werden. Daraus resultiert auch eine Verantwortung der Konsumenten, sich mit dem Thema „Kulinarik“ in seiner umfänglichen Spannbreite auseinander zu setzen. Das Vertrauen in eine ehrliche Küche eröffnet an den Tischen eine Gemeinschaft im Essen und Reden von Genuss und Lebensfreude“, betonte Prof. Dr. Heindl.

Nach Auffassung von Johannes King, Gastgeber und 2-Sternekoch im Söl’ring Hof/Sylt, sei die Regionalität für die Kulinarik ein diffiziler Begriff. Dahinter stehe keine gesetzlich bindende Definition und beinhalte keine Gebietsbeschreibung. Bedeutsam sei zudem, dass sie keine Qualitätsaussage hinsichtlich der reinen Produktqualität treffe.

Johannes King
Nach Auffassung von Johannes King, Gastgeber und 2-Sternekoch im Söl’ring Hof/Sylt, sei die Regionalität für die Kulinarik ein diffiziler Begriff.

„Trotzdem hat die Regionalität für mich als Hotelier und Koch eine enorme Bedeutung. Wichtig ist erstens, dass die Region eine hinreichende Produktvielfalt bietet, gerade für die Formulierung einer regionaltypischen Küche. Zum zweiten muss die Region naturräumlich, geologisch, ökologisch, klimatisch und kulturell Eigenheiten aufweisen, um sich auch kulinarisch von anderen Regionen abgrenzen zu können. Das trifft auf Schleswig-Holstein zu und hieraus ergibt sich ein oft unterschätztes kulinarisches Potential“, so Johannes King weiter.

Entscheidend sei aber zu wissen, dass jedes Lebensmittel der Region seine Zeit habe. Man müsse sich dem „Diktat der Jahreszeit“ unterwerfen, um die Qualitätshöhepunkte der einzelnen Regional-Produkte zu treffen. In der jeweils spezifischen und zeitlich begrenzten Hochsaison habe das Lebensmittel seinen optimalen Nähr- und Geschmackswert. Dann könne es einen Gegenpol zu der üblich gewordenen Überaromatisierung durch künstliche Zusatzstoffe bilden. Durch Verarbeitung von Produkten zum Reife-Höhe könnte der unverfälschte Geschmack vermittelt werden, die Region über Zunge und Nase kulinarisch erfahrbar gemacht werden.

„Sicher könnte ich jetzt Rezeptvorschläge machen, wie aus meiner Sicht eine derartige Küche aussehen sollte. Die Weiterentwicklung einer regionaltypischen Küche ist aber eine Gemeinschaftsaufgabe. Jeder Koch oder Gastronom muss diese zukunftsgerichtete Küche für sich selbst entdecken und hierüber den Austausch mit den Kollegen pflegen. Die Zusammenarbeit muss sich auch auf die Produzentenebene erstrecken. In direktem Kontakt sollte die Produktentwicklung erfolgen. Verbindungsglied ist das Ziel gemeinsam eine hohe Produktqualität zu erreichen. Gemeinsam kann sich der Stolz auf das Produkt entwickeln und kommuniziert werden. So schaffen wir etwas Unverwechselbares für die Region. So können wir unsere Begeisterung auf Verbrauer und Gäste übertragen. Sie können erkennen, dass eine moderne regionaltypische Kulinarik keinesfalls Verzicht bedeutet sondern vielmehr neue Erfahrungen und intensive Geschmackserlebnisse!“, schloss Johannes King.

V.i.S.d.P.: Wolfgang Götze, Politischer Sprecher des Vorstandes