Jahreszeit mit Kussmund, zu Besuch auf Warlebergs Erdbeerfeldern

FEINHEIMISCH Warleberger Hof

Hierzulande ist es kein Geheimnis, dass jenes Reizvolle, was sich hinter dem Wörtchen „Waterkant“ verbirgt, sich eben nicht nur an Strand und Kaimauern findet, sondern auch entlang der geschichtsträchtigen Wasserstraße, durch die sich Ost- und Nordsee aufeinander zu bewegen. Eines der besonders beliebten Ausflugsziele direkt am Nord-Ostsee-Kanal ist das Gut Warleberg mit seinem historischen Gemäuer und dem charmanten Obstcafé, den weiten Feldern und duftenden Obstplantagen. Kommen wir mit dem Fahrrad, dem Schiff, dem Auto oder zu Fuß? Mok, wat du wullt!

FEINHEIMISCH Warleberger Hof

Gesäumt von über 300 Jahre alten Bäumen liegt das Gut Warleberg: ein Herrenhaus, eine Meierei und ein umgebautes Kuhhaus. Seit nahezu 100 Jahren führt Familie Buchenau den landwirtschaftlichen Betrieb mit den Bereichen Obst- und Ackerbau, Geflügelhaltung und Forstwirtschaft. Die einst aus diesem Gut hervorgegangene Warleberger Mühle wiederum wird in mittlerweile dritter Generation von Familie Kerlen bewirtschaftet. Hier setzte man Ende der Achtzigerjahre als einer der ersten Betriebe Schleswig-Holsteins auf frische Eier aus artgerechter Freilandhaltung.

Henrik Buchenau (52) und Frederik Kerlen (41) kennen sich seit ihrer Jugend, haben damals Seite an Seite auf den Feldern mitgeholfen und widmen sich seit 2009 gemeinsam dem Warleberger Obstanbau. Frederik Kerlen nimmt uns heute mit auf die etwa 300 Meter entfernt liegenden Erdbeerfelder. Die Sorte „Sonata“ liegt uns hier zu Füßen – nach der ersten Kostprobe ist es umgekehrt! Süß und saftig, nicht zu fest und nicht zu weich. Wir würden gerne wissen, warum sowohl rote als auch grüne Erdbeeren an ein und derselben Pflanze hängen. Frederik Kerlen erklärt: „Die Pflanzen befinden sich noch im Wachstum. Es reifen immer wieder neue Blüten aus dem Rhizom, also dem Wurzelstock. Aus den Blüten wachsen wiederum nach und nach die Fruchtkörper.“ „Huch, was war das?“ Frederik Kerlen lacht. „Das ist unser Knallapparat! Er verscheucht die Krähen, die Gefallen daran finden, die frischen Setzlinge aus der Erde zu rupfen.“ Die Setzlinge im benachbarten Feld sind erst vor wenigen Tagen eingepflanzt worden. Es wird ein Jahr dauern, bis daraus ein sattes Erntefeld wächst. Auf dem Freiland erfolgt die Befruchtung von selbst, in den Gewächshäusern (für die frühe Ernte) übernehmen Hummeln diesen Job.

FEINHEIMISCHE VITAMINBOMBEN
Erdbeeren gelten als sehr anspruchsvoll: Die Felder werden zweijährig beerntet, dann wird dem Boden eine Pause von sechs bis gelegentlich sogar zehn Jahren gegönnt. So wandern die Pflückfelder auf dem Warleberger Grund und Boden umher. Alle paar Jahre ruhen sie ganz dicht am Kanal. Dann hat man zugleich die Fingerspitzen an den Erdbeeren und die vorbeigleitenden Schiffe im Rücken.

Warleberg ist für seine Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, allem voran aber für seine Erdbeeren bekannt und beliebt. Letztere werden hier sogar in neun verschiedenen Sorten angebaut. Besonders begehrt, ob bei den Selbstpflückern oder an den vielen Verkaufsständen in ganz Schleswig-Holstein, ist die Spätsorte „Malwina“, die immer nur gut eine Woche der Saison abdeckt. Sie gehöre auch zu seinen ganz persönlichen Favoriten, gesteht Frederik Kerlen. „Darauf freue ich mich das ganze Jahr.“ Wir würden gerne unsere volle Zustimmung in Worte kleiden, aber mit vollem Mund spricht man nicht…