Von Bra nach Blunk

Studentengruppe auf Ausbildungsreise bei FEINHEIMISCH
von Wolfgang Götze / Elisabeth Jacobs-Götze

„Ich bin beeindruckt, mit welchem Ernst und welcher Tiefe in Deutschland über Lebensmittel und Ernährung nachgedacht und diskutiert wird. Bei uns in Kenia wird fast nur Mais angebaut, der größtenteils zum Bierbrauen verwendet wird. Ansonsten werden fast nur importierte Lebensmittel, ohne groß nachzudenken, konsumiert”, meinte James aus Kenia beim Besuch des FEINHEIMISCH-Mitgliedes „Passader Backhaus”.


James ist Teilnehmer einer 14-köpfigen Gruppe von Studierenden der „Università degli Studi di Scienze Gastronomiche” in Bra (Italien). Tutorin Eva Breitbach erläuterte: „Die Universität wurde 2004 von Slow Food mit Unterstützung der Regionen Piemont und Emilia Romagna als non-profit Bildungseinrichtung gegründet. Die Abschlüsse sind staatlich anerkannt. Seit dem haben 2.500 Studierende aus allen Teilen der Welt in ein- bis dreijährigen Studiengängen ihren Abschluss gemacht. Übergeordnetes Ausbildungsziel ist es, multidisziplinäres Wissen der Lebensmittelwissenschaft und Landwirtschaft sowie der Kultur, Politik, Ökonomie und Ökologie rund um die Ernährung zu vermitteln.”

Die 7-tägige Exkursion führte auf Initiative des FEINHEIMISCH- und Slow Food Chief-Alliance-Mitglieds „Landhaus Schulze-Hamann” auch nach Schleswig-Holstein. Angela Schulze-Hamann erklärt ihr Engagement: „FEINHEIMISCH hat sich die Ernährungsbildung auf die Fahne geschrieben. Diese darf sich aber nicht nur auf Kinder und Jugendliche beschränken. Gerade junge Menschen in der Berufsausbildung sind wichtig, da sie als zukünftige Multiplikatoren und Wissensvermittler von besonderer Bedeutung sind. Deshalb freue ich mich, dass sich die Universität in Bra für eine Bildungsreise nach Blunk entschieden hat und die Studenten zwei Tage unsere Gäste sind.”

Hier und bei dem Besuch des FEINHEIMISCH-Mitglieds „Wilde Kost” erfuhren die aus Italien, Uganda, Kenia, Israel, Deutschland und der Schweiz stammenden Studenten erstmals auch etwas über den Verein FEINHEIMISCH. Elisabeth aus München war überrascht: „Ich habe nicht gedacht, dass es in Schleswig-Holstein derartig interessante, nachhaltig arbeitende und produzierende Betriebe gibt. Besonders begeistert mich das gastronomische Konzept mit seinen vielfältigen Ansätzen im Landhaus in Blunk – eine gastronomische Philosophie, die ich sonst eher in Italien vermutet habe und nicht in Norddeutschland.”

Elisabeth hat über verschiedene Tätigkeiten in der Gastronomie ihren Weg in die Slow Food Universität gefunden. Ähnlich wie Francesco aus Florenz, der zuvor in einer Bäckerei in Edinburgh und in Kopenhagen im Spitzenrestaurant „relæ” gearbeitet hat. Durch das Engagement seines Vaters bei Slow Food und die Bücher des Slow Food Präsidenten Carlo Petrini entschied er sich für das Studium in Bra. Ihn überzeugte insbesondere die handwerkliche Arbeit in den FEINHEIMISCH-Betrieben.

Tutorin Eva Breitbach erklärte: „Etwa die Hälfte der Exkursionsteilnehmer sind ausgebildete Köche, Bäcker, Patissiers, Landwirte und Winzer und studieren zur Weiterbildung. Die anderen sind nach Bra gekommen, um erstmalig eine Berufsausbildung zu beginnen, und der Weg dorthin ist nicht ganz einfach. Es muss die Hürde eines Aufnahmeverfahrens überwunden werden, denn es werden nur 80 Bewerber pro Jahr aufgenommen. Eine weitere Hürde sind die Gebühren von 14.000 bis 16.500 € pro Jahr, je nach Studiengang. Erfreulicherweise stehen aber Stipendien, die durch Sponsorengelder von vor allem großen italienischen Unternehmen wie Lavazza oder Verbänden der Lebensmittelwirtschaft wie den Vereinigungen der Parmaschinken- oder Parmesan-Hersteller finanziert werden. Diese Unternehmen stellen auch gerne unsere Absolventen wegen ihrer umfassenden und interdisziplinären Ausbildung ein. Zunehmend wird als Berufsziel der Bildungssektor genannt.”

So auch von Elisabeth und James, der nach Abschluss des Studiums wieder nach Kenia zurückkehren wird. In seinem Heimatland möchte er Betriebe der Lebensmittelproduktion beraten und die Qualität der Ernährungsdiskussion verbessern.