Wochenmärkte sind keine Manövriermasse

Die regelmäßig stattfindenden Wochenmärkte sind zentrale Orte des Alltagsgeschehens und spiegeln einen Teil der Seele einer Stadt und ihres Umlandes wider. Sie sind auf zeitliche Stetigkeit und örtliche Verankerung angewiesen.
Bedauerlicherweise ist zunehmend zu beobachten, dass sie kurzfristigen Events weichen müssen und von ihren „traditionellen“ Standorten verdrängt werden. Zurück bleiben verunsicherte Kunden.
FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein e.V. unterstützt deshalb ausdrücklich die Forderungen der Marktbeschicker: keine Verdrängung durch den vierwöchigen Weihnachtsmarkt zulasten des Flensburger Wochenmarkts und Verbleib am angestammten Standort.
FEINHEIMISCH sieht gute Gründe darin, den Standort des Wochenmarkts nicht infrage zu stellen:

  • Kunden haben Einkaufsgewohnheiten. Hierzu gehören der gewohnte Einkaufsort – oft zentral gelegen und leicht erreichbar – und der gewohnte Standort ihres Lieblingshändlers.
  • Wochenmärkte sind häufig die letzte verbliebene Möglichkeit, sich in den Innenstädten mit frischen Lebensmitteln zu versorgen.
  • Verbraucher verlangen weiterhin zunehmend nach regionalen Lebensmitteln, die die Märkte in großem Umfang und guter Qualität anbieten.
  • Ökonomisch sind die Märkte für die Marktbeschicker die wichtigste Säule zur Absicherung ihrer Betriebe.
  • Wochenmärkte tragen dazu bei, der drohenden Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken.

Hinzu kommen weitere soziale und ökologische Gründe dafür, mit Wochenmärkten sorgsam und überlegt umzugehen:

  • Sie sind Treffpunkt und Orte für soziale Kontakte, auch für ältere Menschen erreichbar und somit wichtige Kommunikationszellen für ein lebendiges Stadtleben.
  • Sie erlauben es den Kunden, einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln, da sie meist zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, wenig Verpackung anfällt und die regionale Wirtschaft mit relativ kurzen Zulieferungswegen unterstützen.
  • Sie tragen wesentlich zum Erhalt der noch verbliebenen Betriebe des Lebensmittelhandwerks (Fleischerei, Bäckereien, Imkerei, Gemüseanbau etc.) sowie der regionalen Esskultur bei.

Vor diesem Hintergrund die „touristische Keule“ als Begründung für eine Standortveränderung zugunsten des Weihnachtsmarkts hervorzuholen, ist zu kurz gedacht. Zumal die Tourismuswirtschaft – von der Tourismus Agentur Schleswig-Holstein (TASH) bis hin zu regionalen Tourismuseinrichtungen – Wochenmärkte als ganzjähriges Erlebnis für Urlauber verstärkt bewerben.
Selbstverständlich muss sich jede Stadt Gedanken um die Steigerung der touristischen Attraktivität machen. Aber aus Sicht von FEINHEIMISCH geht es darum, sich aus der Kurzfristigkeit des Handelns beim Thema „Wochenmarkt versus Weihnachtsmarkt“ zu lösen und mittel- bis langfristige Lösungen für eine Koexistenz zu entwickeln – und zwar jetzt!
Hier sind seitens der Kommunalpolitik und der städtischen Verwaltung mehr Transparenz, Beteiligung der Betroffenen und vor allem Kreativität gefordert – gerade, weil es um emotionsgeladene Weihnachtsmärkte geht.

Wolfgang Götze
Politischer Sprecher des Vorstands
FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein e.V.