Fipronil – Skandal mit drei Dimensionen

Wochenlang informierte die belgische Regierung weder staatliche Institutionen noch die Öffentlichkeit über Fipronil-Funde in Hühnereiern, um eine breite Verunsicherung zu vermeiden. Dabei hätte gerade Belgien aus den Vorgängen um die mit Dioxin belasteten Tierfutter eine Lehre ziehen können. So aber wurden Konsumenten für dumm verkauft und der europäischen Lebensmittelwirtschaft Schaden zugefügt. Dies zeigt die politische Dimension des neuesten Lebensmittel-Skandals auf.
Ferner wird eine kriminelle Dimension deutlich: Zahlreiche Skandale im Lebensmittelbereich beruhen auf illegalen Handlungen wie Olivenöl-Panschereien, Deklaration von Eiern aus Käfighaltung als Bio-Eier usw. zeigen. Ursache ist der vom Handel und Konsumenten ausgehende Preisdruck sowie der enorme Konkurrenzkampf zwischen den Produzenten. Auch die EU-Agrarförderung nach dem Motto „Masse statt Klasse“ hat ihren Teil dazu beigetragen, dass sich im Lebensmittel-Sektor kriminelle Energie entlud.
Der Blick auf die Massentierhaltung eröffnet die dritte Dimension des Fipronil-Skandals. Wo Lebewesen auf engstem Raum leben müssen, entstehen zwangsläufig hygienische und gesundheitliche Probleme. Der teilweise massive Einsatz von Parasitenbekämpfungsmitteln und Arzneimitteln erscheint dann als probate und preiswerte Lösung.
Eine Möglichkeit, die Zahl weiterer Lebensmittelskandale zu vermindern, bietet sich in den kommenden Jahren der Politik bei der Neuformulierung der „Gemeinsamen EU-Agrarpolitik ab 2021“. Hier können die Weichen für die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel durch die weitgehende Abkehr von der flächengebundenen Agrarförderung gestellt werden. Allerdings müsste dieser Wechsel unterstützt werden durch ein Konsumentenverhalten, das von den Gedanken der Nachhaltigkeit und dem Wissen um Lebensmittel-Qualitäten geprägt ist.

Wolfgang Götze – Politischer Sprecher des Vorstands