Schleswig-Holstein tischt auf

…aus Wirtschaftsland, Ausgabe 02. 2009

Innerhalb eines Jahres hat sich der Verein FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein zu einem „Leuchtfeuer kulinarischer Kultur“ im Norden entwickelt – und das strahlt aus bis nach Hamburg. Er macht sich für die Produktion regionaler Lebensmittel stark, vernetzt Erzeuger und Gastronomen – und hat sich mit der Förderung der heimischen Ess- und Kochkultur über Landesgrenzen hinaus mehr als nur Respekt verdient. Auftritte beim Hamburger Food Market oder beim Salone del Gusto in Turin – der weltweit bedeutendsten Gourmet- und Slow-Food-Messe – zeigen: Schleswig-Holstein ist kulinarisch längst kein Entwicklungsland mehr.

Das Problem ist komplex – doch eine Karotte reicht, um es zu illustrieren. Den „Honig der Erde“ gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Farben: Karotten können kurz oder lang, rund oder stämmig sein, ihre Färbung mal gelblich-weiß, mal rosa, orange-gelb, rot oder purpurn – und sie sind reich an Ballast- sowie Mineralstoffen und Beta-Carotin. Sie heißen Duwicker, Nantais oder BetaSweet – und stehen für eine natürliche Vielfalt und unterschiedliche Geschmacksnuancen. Im Supermarkt gibt es allerdings meist nur ein oder zwei Sorten. Abwechslung? Fehlanzeige!

Genuss, der die Region stärkt

Eine natürliche Vielfalt von regionalen Nahrungsmitteln im Land anbieten zu können: Das ist eines der Ziele des Vereins FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein. Zwei Wege dorthin: Produzenten kultivieren alte Gemüse-, Kräuter- und Frucht-Sorten – und Landwirte halten seltene Schweine- und Rinderrassen wie das Angeliter Sattelschwein oder die Nachfahren der Auerochsen, um daraus Lebensmittelprodukte von höchster Qualität zu gewinnen. 30 Erzeugerbetriebe sind mittlerweile bei den FEINHEIMISCHEN aktiv. Hinzu kommen noch einmal halb so viele Gastronomen und Küchenchefs. Ein Netzwerk mit Vorteilen für beide Seiten: Die FEINHEIMISCH-Gastronomen, zu denen der Zweisterne-Koch Johannes King vom Söl’ring Hof auf Sylt ebenso gehört wie das Restaurant Miera in Lübeck, sind Abnehmer dieser Produkte, kreieren daraus köstliche Gerichte und bewirken dadurch wiederum eine Nachfrage nach diesen regionalen Lebensmitteln – und das heißt noch mehr Vielfalt. „Neben dem Erhalt der Arten- und Sortenvielfalt, der damit verbundenen umweltverträglichen Produktion und dem Güte-Siegel für Produkte und Restaurants, die FEINHEIMISCH sind, ist es selbstverständlich eines unserer weiteren Ziele , die regionale Wirtschaft bis nach Hamburg zu stärken“, nennt Maximilian Bruhn, Vorsitzender von FEINHEIMISCH, einen weiteren Aspekt der Vereinsarbeit. „Wenn Lebensmittel um den halben Erdball transportiert werden, ist das weder gut für das Geschäft regionaler Erzeuger noch für die Frische der Produkte und ebenso wenig für den Klimaschutz. Indem wir die regionale Produktion stärken, tragen wir auch zum Erhalt von Arbeitsplätzen und zur wirtschaftlichen Prosperität in der Region bei – und mittelfristig auch zu günstigeren Einkaufspreisen.“

Gourmets aus Hamburg zu Gast

Regelmäßig lädt der Verein zu einem Blick hinter die Lebensmittelerzeugung und zu so genannten FEINHEIMISCH-Editionen und Privat-Conferenzen. Das sind Abende, auf denen meist mehrere Köche gemeinsam ein Mehrgangmenü kreieren und wo zwischen den Gängen über regionale Lebensmittel oder spezielle Produktionsformen informiert wird. „Zu unseren Abenden kommen immer wieder auch Hamburger Gourmets“, freut sich Maximilian Bruhn. Darüber hinaus setzt FEINHEIMISCH auf Kooperationen. Von Anfang an unterstützt wurde der Verein von der Initiative „Schleswig-Holstein is(s)t lecker“. Eine enge Zusammenarbeit gab beziehungsweise gibt es mit der Käsestraße Schleswig-Holstein, mit Bioland und der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Da es eher die Ausnahme als die Regel ist, dass zahlreiche Gastronomen und Produzenten erfolgreich an einem Strang ziehen, wird FEINHEIMISCH auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins wahrgenommen: Vergangenes Jahr suchten mehrere Restaurantbesitzer aus Mecklenburg- Vorpommern das Gespräch mit der Vereinsführung. Und auch aus Hamburg kommt ein Interesse an den FEINHEIMISCHEN. „Im September sind wir wieder auf dem „Food Market“ und bald darauf wahrscheinlich auf der „eat’n Style“ in Hamburg.“ Dort präsentieren sie die kulinarische Vielfalt des Landes – und auch die fing irgendwann vermutlich einmal bei der Karotte an. (mif)